Holzwolle

Holzwolle ist ein natürlicher Dämmstoff, der auch als Verpackungsmaterial Verwendung findet.

Die von Rundhölzern gehobelten Späne sind 500 mm lang und von unterschiedlicher Dicke. Holzwolle gilt als hygienisch und kaum von Schadstoffen belastet und wird weltweit zu unterschiedlichsten Zwecken verwendet. Geschätzt wird das Material wegen der leichten mechanischen Herstellung ohne Chemikalien, des problemlosen Transports und der guten biologischen Abbaubarkeit. Im Bauwesen findet es im Verbund mit Magnesit, Zement oder Gips in Form von Holzwolle-Platte seit mehr als 100 Jahren als Dämmstoff Verwendung. Man nennt sie auch Holzwolle-Leichtbauplatte (HWL-Platte), obwohl sie dank ihrer mineralischen Binder schwerer ist als andere Holzwerkstoffe. Seit 2003 heißt die HWL-Platte offiziell nach der europäischen Dämmstoffnorm Holzwolle-Platte.

Herstellung
Holzwolle wird in einer speziellen Maschine aus luftgetrockneten Holzspänen hergestellt. Zur Verwendung kommen in Deutschland meist heimische Hölzer wie Kiefer oder Fichte. Für die Herstellung dämmender Holzwolle-Platten werden die Späne ohne Zusatz von Wasser und Chemikalien mit Magnesit, Gips oder Zement gebunden und in Formen gepresst. Die Platten werden mehrfach getrocknet und wieder gepresst, gestapelt und in verschiedenen Größen zugeschnitten. Da die Platten sehr viel Luft enthalten und grobporig sind, können sie den Wärmefluss auch bei Feuchtigkeitseinfluss von außen gut abbremsen. Durch das mineralische Bindemittel erhalten die Holzwolle-Platten eine sehr harte Beschaffenheit und werden feuerfest. Imprägniert mit Bittersalz, bleiben Holzwolle-Platten frei von Schimmel und Schädlingen. Fungizide oder Formaldehyd werden nicht eingesetzt.

Um die Dämmwirkung zu erhöhen, gibt es neben Platten aus reiner Holzwolle auch mehrschichtige Leichtbauplatten (ML-Platten), eine Kombination Holzwolle-Platten mit solchen aus Hartschaum (HS-ML-Platten) oder Mineralfaser (Min-ML-Platten). Dabei umfängt eine mit Zement gebundene Holzwolle-Schicht auf einer oder mehreren Seiten einen Kern aus Mineralwolle oder Polystrol.

Geschichte
Mit mineralischem Magnesit gebundene Holzwolle-Platten als natürlicher Dämmstoff wurden vor mehr als 100 Jahren in Österreich erfunden und 1908 in Wien zum Patent angemeldet. Von einer amerikanisch-österreichischen Firma vermarktet, revolutionierte das neuartige Produkt zur Dämmung bald das Bauwesen in Europa und Amerika und trat seit den 1920er Jahren seinen bis heute anhaltenden Siegeszug an. Nach dem ersten und bekanntesten Hersteller von industriell gefertigten Holzwolle-Platten mit Magnesit werden diese auch "Heraklith-Platten" genannt. Zementgebundene Holzwolle-Platten wurden 1934 in Dänemark entwickelt.

Verwendung
Holzwolle-Platten werden im Bauwesen heute dort eingesetzt, wo den Anforderungen an Wärme- und Schallisolierung sowie an den Brandschutz auf natürliche, umweltschonende Weise entsprochen werden soll. Sowohl im Außen- als auch im Innenbereich finden sie vielfach Verwendung, etwa für die Dämmung von Dächern, Zimmerdecken und Wänden. Auch zum Einbau leichter Trägerwände werden sie eingesetzt, unverputzt als Schallabsorber, verputzt als Schalldämmer. Als Feuchtigkeitsregulierer und Akustikplatte kommt die Holzwolle-Platte ebenfalls zum Einsatz.