Lehmziegel
Lehmziegel sind Ziegel mit dem Ausgangsmaterial Lehm, die Errichtung von Bauwerken aus Lehm wird als Lehmbau bezeichnet.
Die Zusammensetzung von Lehm kann sehr unterschiedlich sein. Er kann stark mit Sand (30-80 %) und gemagertem Ton angereichert sein. Der Ton kann Anteile an Kalk oder Eisenoxid, das zu einer Braunfärbung führt, haben. Es gibt fetten Lehm, der viel Ton und mageren Lehm, der mehr Sand enthält. Varianten des nur aus Lehm hergestellten Ziegels ist der luftgetrocknete Lehmziegel mit Füllstoffen wie Stroh, Sand oder Tierkot (Rind, Kamel). Vorteile dieser Ziegel sind die höhere Stabilität und das geringere Gewicht.
Geschichte des Lehmziegels
Seit der Jungsteinzeit (Neolithikum) gebraucht der Mensch im Gebäudebau luftgetrocknete Lehmziegel. Die sogenannte Tells sind archäologische Zeugnisse hierfür. Die Verwendung von Lehmziegeln in der Architektur wurde vermutlich unabhängig voneinander in mehreren Orten der Welt erfunden (Mittelamerika, China, Vorderer Orient). Diese Bauweise nennt sich Lehmbau. Die Herstellung von Luftziegeln wird mit Lehm gemacht, dem – abhängig von Kultur und Verfahren – anteilig Sand oder andere Füllstoffe zugemischt werden.
Herstellung von Lehmziegeln
Zur Herstellung von Lehmziegeln wird die gut durchgeknetete, zähflüssige Lehmmasse in eine rechteckige Form aus Holz oder in andere Spezialformen eingebracht. Der Rahmen oder die Spezialform wird entfernt, sobald sich die Masse verfestigt hat. Das Gebilde – Ziegel oder Gebrauchsgegenstand – wird danach im Schatten luftgetrocknet. Eine direkte Sonnenbestrahlung führt zu Rissbildung, wegen der zu schnellen Wasserverdunstung; dies macht Ziegel, die statisch belastet werden sollen, unbrauchbar und kleinere Gebrauchsgegenstände werden dadurch brüchig.
Eigenschaften von Lehmziegeln
Lehmziegel werden von überstarker Durchfeuchtung und ablaufendem Wasser angegriffen – erhöhte Luftfeuchtigkeit hat keinen Einfluss auf die Ziegel. In trockenen, heißen Klimazonen bietet der Lehmbau bedeutende Vorteile verglichen mit sehr vielen anderen Baustoffen; von besonderem Gewicht ist die Wärmespeicherung. Im Laufe des Tages werden die Ziegel unter der Sonneneinstrahlung aufgewärmt, die dann in den Ziegeln gespeicherte Wärme wird nachts allmählich an die Umgebung abgegeben. Deswegen ist es in einem Gebäude das aus Lehmziegeln hergestellt wird tagsüber kühl und in der Nacht warm. Ein derartiges Gebäude wird auf der Seite der Sonneneinstrahlung mit einer dickeren Wand hergestellt, da dadurch mehr Energie in der Wand gespeichert wird. Um diesen Effekt zu vergrößern werden in unserer Klimazone teilweise Glas oder transluzente Dämmstoffe eingearbeitet, mit der Wirkung, die Wärme in der Wand zu halten – die Wärmeabstrahlung nach außen wird vermindert.
Wiederverwendung der Lehmziegel
Die Lehmziegel können komplett recycled werden. Putz- und Mörtelreste sind meist einfach von den Steinen zu trennen. Die ganzen und halben Steine werden danach zum Mauern wiederverwendet. Zerbrochene Ziegel können in Wasser eingeweicht (eingeschlämmt) werden und danach zu neuen Lehmsteinen, Putz oder Mörtel wiederverarbeitet werden.
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