Torfit

Torfit ist ein heute nicht mehr gebräuchlicher Baustoff auf der Basis von Torf.

Er wurde nach der Wende zum 20. Jahrhundert nahezu ausschließlich für die Verkleidung von Wänden und Böden in Toilettenanlagen hauptsächlich in Bahnhöfen und öffentlichen Gebäuden verwendet. Die größte Torfit-Fabrik stand in Bremen, eine der torfreichsten Gegenden Deutschlands. Später wurde das optisch wenig attraktive und wirtschaftlich unrentable Torfit in den Urinalen ersetzt durch Marmor, Platten aus Schiefer, glasiertem Ton oder Rohglas. Das steinartig aussehende Torfit findet sich noch heute in einigen alten Bahnhofstoiletten. Ansonsten ist es vom Markt verschwunden.

Beschaffenheit
Torfit waren eine Art aus Torf gebrannte sehr große Ziegelplatten. Der Baustoff aus dem für seine geruchsbindende und antiseptische Wirkung bekannten Naturprodukt Torf galt als Lösung für die erheblichen Hygiene- und Sauberkeitsprobleme in öffentlichen Toiletten, vor allem in Männer-Urinalen. Die Platten waren so groß, dass sie nahezu fugenfrei an die Wand und auf den Boden der Sanitärräume angebracht werden und problemlos von Urin und anderen Verunreinigungen gesäubert werden konnten. Gerüche und übermäßige Feuchtigkeit ließen sich so tatsächlich binden, allerdings ein erheblicher Nachteil von Torfit ließ sich auf Dauer nicht beheben: die Neigung zu im Laufe der Zeit immer unschöner werdenden Verfärbungen. Spätestens in den 1930er Jahren ließ das Interesse der Bauherren an Torfit als Baustoff für öffentliche Toiletten allmählich nach und das einst als sensationelle Erfindung gefeierte Produkt verschwand in der Versenkung. Heute spielt es im Bauwesen, wenn es überhaupt noch hergestellt wird, keine Rolle mehr.

Torf als Basis von Torfit
Torf ist die Vorstufe von Kohle und findet sich als Ablagerung sich zersetzender Pflanzenreste in Hochmooren. Wenn man ihm das Wasser entzieht, ist er leicht brennbar. Torfziegel als Brennmaterial waren von alters her gebräuchlich, als Basismaterial der Sanitärverkleidung "Torfit" dienten sie erst um die Wende zum 19. Jahrhundert. In dieser Zeit wurde intensiv an den unterschiedlichsten industriellen Verwendungsmöglichkeiten von Torf geforscht. In der Volksmedizin war Torf schon lange bekannt für seine antibakterielle und feuchtigkeitsaufsaugende Wirkung, man nutzte ihn zum Beispiel als Unterlage für Bettnässer. Diese Erkenntnisse machten sich die Erfinder des Torfits zunutze.

Geschichte
Torfit galt bis weit in die 1920er Jahre hinein als bevorzugter Baustoff für die Verkleidung von Böden und Wänden in Bahnhofstoiletten. Von Bremen aus wurden viele derartige Anlagen damit ausgestattet. Es war die Zeit zahlreicher Erfindungen, einem großen Interesse an neuen Baustoffen und ihrem kreativen Einsatz auch im öffentlichen Raum. Torfit wurde als saubere und pflegeleichte Lösung für die wachsenden Hygieneprobleme in Bahnhöfen betrachtet. Architekten und Bauingenieure kritisierten jedoch schon früh die nicht aufhaltbare unschöne Verfärbung des Baustoffs. So konnte Torfit nur ein kleines Kapitel Baustoffgeschichte schreiben.